Ich will den Frauenkampftag nutzen um den vielen Leuten die sich in dieser bunten Bewegung des Feminismus bewegen, danke zu sagen.
Und zwar nicht nur, weil diese Bewegung und jene, aus denen sie entstanden ist, das Leben der Menschen um vieles verbessert hat. Sondern gerade weil ich als privilegierter weißer Mann mittleren Alters durch meine Beschäftigung mit feministischen Theorien wirklich viel für mein persönliches Leben gewonnen habe.
Um das zu erläutern muss ich kurz ausholen und meine Geschichte erzählen. Ich bin als halbwegs normaler weißer Mann aufgewachsen. In meiner Jugend wurde ich gemobbt, weshalb ich früh mit nachdenken anfing, warum Menschen sich so verhalten, wie sie es tun.
Es brauchte aber noch eine ganze Weile, bis ich mich mit Privilegien auseinander gesetzt habe. Erst als ich mich damit beschäftigt habe, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn sehr viele persönliche Informationen von allen Menschen offen zugänglich sind.
Und ehrlich gesagt auch nur, weil ich mich glücklicherweise zufällig mit Feministinnen über dieses Thema unterhalten habe, die mir zeigten, dass es da in der Thematik noch weitaus mehr zu Wissen gab als das, was ich mir aus meinem linken Selbstverständnis so zusammenreimte und dann vollmündig erklärte. (Heutzutage bezeichne ich sowas ja Mansplaining)
Das ist jetzt über zwei Jahre her. In dieser Zeit habe ich viel gelernt, vieles in unserer Gesellschaft ist mir weitaus verständlicher geworden. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt die für mich eine Inspiration darstellen. Ich verstand irgendwann, dass wir alle Sexismen reproduzieren. Ich lernte viele Verschiedene Strömungen kennen, so Facettenreich wie kaum eine andere Bewegung, die ich kennen lernen durfte.
Diese Beschäftigung war nicht immer schön. Für mich war es schmerzhaft, mir einzugestehen zu müssen, dass auch ich Unterdrückung mit getragen hatte und immer noch mit trage. Noch schmerzhafter war es zu lernen, wie das ist, Privilegien ausnahmsweise mal nicht zugesprochen zu bekommen.
Doch das war auch extrem lehrreich. Es lies mich ansatzweise erahnen und sensibilisierte mich. Mir wurde die wichtigkeit der Solidarität mit jenen, die in die heteronormative Matrix nicht hinein passen, bewußt. Ich begann auf dominantes Verhalten zu achten und Strategien anzueignen, meiner Sozialisation entgegen zu wirken. Dies führte unter anderem dazu, dass sich meine Einstellungen zu Beziehungen & Sexualität entschieden änderten.
Und alleine dieses ist so unheimlich befreiend gewesen! Durch dieses Umdenken – und wunderbaren Ideen wie z.B. dem ritualisierten miteinander Reden – erlebe ich das erste Mal Zufriedenheit in einer Beziehung. Ich brauche Feminismus um mich weiter zu entwickeln. Ich will keine Kekse, kein Lob für das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Ich will einfach nur Danke sagen.
Danke Feminismus! Toll, dass es euch gibt.







