FYI: Weltweite Aktionen zum V-Day (#onebillionrising)

 

Zum diesjährigen Valentinstag findet ein weltweiter Aktionstag gegen Gewalt an Frauen statt. Die Idee, ausgehend von der New Yorker Künstlerin Eve Ensler, mobilisiert Aktivist*innen in fast 200 Ländern, um sich an diesem Tag für Empowerment und Gewaltfreiheit im Umgang mit Frauen* einzusetzen. Kritisch zu betrachten sind Teile des Webauftritts bzw. der PR-Strategie, die v.a. im Kampagnenvideo (wird nicht verlinkt) über die Inszenierung von Gewalt gegen Frauen als heteronormatives, bestimmte Kulturen betreffendes Phänomen rassistische Stereotype reproduziert und auch sonst nicht besonders sensibel oder differenziert vorgeht (eine ausführliche Betrachtung dazu findet mensch hier). Es empfiehlt sich also, die vermittelte Perspektive zu hinterfragen und die Komplexität des Themas auf dem Schirm zu behalten. Trotzdem sind Aktionstage gegen Gewalt (egal welche Gruppe betroffen ist) bei aller berechtigten Vorsicht eine gute Sache, deren Unterstützung sich fast immer lohnt.

Jeder Mensch, der sich also am 14.02.´13 mit den Betroffenen solidarisieren und zu einem globalen Statement beitragen möchte, ist eingeladen, an einem der stattfindenden Projekte teilzunehmen. Ulrike Pohl hat dazu genauere Infos über die Listen geschickt:

„Liebe Piratinnen und Piraten,

jede 3. Frau hat in ihrem Leben Gewalt erfahren – also ca. 1 Milliarde Frauen weltweit. Unter dem Hashtag #onebillionrising wollen sich deshalb am 14. Februar 2013 in 199 Ländern Frauen zusammen finden, um sich gemeinsam gegen Gewalt auszusprechen, zu erheben und ein Zeichen zu setzen: mit Infoständen, Lichterketten, Gospelgesängen oder Flashmobs. Weitere Infos unter: http://www.onebillionrising.de/

Die Berliner Veranstaltungen zu #onebillionrising findet ihr
hier. Dort seht ihr auch, dass es am Donnerstag um 17.30 Uhr einen Flashmob geben wird – auf dem Pariser Platz. Die Choreografie dazu ist hier, und es gibt auch eine Choreo im Sitzen (Barrierefreiheit hat viele Gesichter). Also zeigen wir, dass wir viele sind!

Wir Piratinnen und Piraten treffen uns am Donnerstag, den 14.02.2013 um 17.15 Uhr vor Starbucks am Pariser Platz 4a  und dann geht es los! Wie heißt es in dem Song? “We are all beautiful creatures”…

Freundliche Grüße,
Ulrike @sunmoonstars97

P.S. Zum Weiterlesen die Studie zu Gewalt an Frauen mit Behinderung (die am stärksten betroffene Gruppe) der Universität Bielefeld.“
 
 

 

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5 Antworten auf FYI: Weltweite Aktionen zum V-Day (#onebillionrising)

  1. KaiserKarl sagt:

    Wieso fordert man nicht gewaltfreiheit fue ALLE, also auch fuer Jungs, Maenner, Transsexuelle…?

    So wuerde es Maennern wie mir viel einfacher fallen sowas zu unterstuetzen.

    Liebe Gruesse

    • Doro sagt:

      Aber das fordert man doch :) Es gibt ganz viele Projekte, die sich auch dafür einsetzen. Das Eine schließt das Andere meiner Einschätzung nach überhaupt nicht aus. So wie ich das empfinde, wäre es aber ein zu großer, diffuser Themenball, der unter den Stichpunkt “Globale Gewalt” fällt. Es gibt ja durchaus Gewalt, die spezifisch nur gegen bestimmte Gruppen eingesetzt wird – darauf in je einzelnen Aktionen aufmerksam zu machen, halte ich persönlich für sinnvoller, da sich Menschen eher mit konkret umrissenen Sachverhalten und Gruppen beschäftigen. Auch ist das gruppenspezifische Identifikationspotential höher und die Forderungen können genauer sein und erhalten daher eine höhere Umsetzungschance (bzw. es ist klarer, wenn gegen sie verstoßen wird und daher ist die Sache auch sanktionsfähiger). Sehr gut wird das auf der Human Rights Watch – Seite illustriert, die ich hochfrequent verfolge und oft auch weiterverlinke (nur halt nicht hier, da dies ein genderspezifischer Blog ist, der sich hauptsächlich mit dem Empowerment von Frauen beschäftigt, da ich da noch Nachholbedarf sehe). Für mich fällt das Thema genderbezogene Gewalt ganz klar in den Menscherechtsbereich, ich glaube auf gar keinen Fall, dass solche Aktionen gegenseitig konkurrieren sollten oder sich inhaltlich trennen lassen. Ich sehe eine große Gefahr in dem Umstand, dass auf gruppenspezifische Antigewalt-Aktionen oft mit dem Verweis auf das Leid anderer Gruppen reagiert wird – das unterstellt implizit, das Leid der anderen wäre den Aktionist*innen nicht so wichtig. Dem ist ja nicht so, im Gegenteil – alle von Gewalt Betroffenen befinden sich in einer schlimmen Situation, die gesehen werden sollte. Auf das Eine zu schauen bedeutet ja nicht, gleichzeitig vom Anderen wegzusehen (ehrlich gesagt hoffe ich da eher auf Synergie-Effekte). In diesem Zusammenhang positioniere ich mich auch ganz klar gegen Gewalt, die an queeren oder Cis-Männern verübt wird (z.B. aufgrund von Verfolgung wg. Homosexualität oder Vergewaltigungen im Kriegskontext o. in Gefängnissen). Diese Sachen verlinke ich auf Twitter auch weiter, wenn sie mir “in die Hände fallen”, da mache ich also keinen Unterschied. Die Betonung von Gewalt gegen Frauen, die nun mal global sehr weit verbreitet IST und daher ein riesiges Problem darstellt, relativiert in meinen Augen nicht die Gewalt gegen andere Gruppen oder wertet diese gar ab. Aber dass es auch andere Gewaltformen gibt, rechtfertigt meiner Meinung nach nicht, dieses spezifische Problem zu übersehen. Man sollte sich gegen alles aussprechen, am Besten mit jeweils eigenen Aktionen, um das Thema nicht zu verwässern. Mit anderen Worten: wenn es einen Aktionstag gegen Gewalt an Queer oder generell gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gibt, bin ich mit Sicherheit dabei.

      Kleine Gegenfrage: Fällt es dir wirklich schwer, die Menschenrechte anderer Gruppen zu vertreten, auch wenn die Aktion deine Gruppe nicht mit beinhaltet, oder hast du eher die Befürchtung, andere Gruppen würden dadurch vernachlässigt? Meiner Einschätzung nach werden über Human Rights Watch oder Amnesty International alle Themenfelder und Gendergruppen gut abgedeckt, ich persönlich sehe da keine Verzerrung in Richtung einer bestimmten Gruppe. Wenn Frauen dort oft Thema sind, dann liegt das oft auch an der systematisch und breitflächig gegen sie angewandten Gewalt (z.B. über Heiratsrecht und bestimmte Traditionsgefüge). Eine Vernachlässigung anderer Menschenrechtsverstöße ist mir nicht aufgefallen. Gibt es einen bestimmten Anlass, der dich zu dieser Vermutung führt?

      • KaiserKarl sagt:

        @ Doro

        Ja wenn man nur sagt wir sind gegen Gewalt an Frauen und Maenner nicht erwaehnt sagt man damit aus das Frauen die Tater sind und Maenner die Opfer. Was auch sonst.

        Ausserdem wird somit verleugnet, das die meisten Gewaltopfer immer noch Maenner sind. Ich weiss das im oeffentlichen Raum zwar meistens Maenner auch die Taeter sind, bei Gewalt gegen Kinder sieht die Sache aber anders aus.

        Wenn man die Haelfte verschweigt ist das nicht gerade glaubwuerdig.

        Und genau das macht die Aktion irgendwie widerlich, kann es nicht anders ausdruecken.

        Und ja ich setze mich nur fuer Sachen ein die ein besseren Leben fuer ALLE wollen. Selbstverstaendlich!!!

        Und wenn ich schon selektiv vorgehe, dann unterstuetze ich eher die Gruppe die weitaus haufiger Gewalt erfaehrt.

        Deswegen kann ich nicht verstehen wie man sich hier auf Frauen versteifen kann.

        Ich bin halt ein Mann, ein Maengelwesen mit verkrueppelten X Chromosom…

        • Doro sagt:

          Nach dieser Logik müsste dich auch der Christopher-Street-Day aufregen, weil er sich für die Rechte von Queer einsetzt und heterosexuelle Männer nicht einbezieht?! Versteh ich nicht, zielgruppenspezifische Projekte bedeuten doch nicht ein Verschweigen der anderen Bereiche, sondern nur einen ressourcenbedingten Fokus. Es gibt viele Studien und Blogseiten, die sich mit Gewalt gegen Männer, Kriegstraumata und Gewalt im öffentlichen Raum (deren größte Betroffenengruppe tatsächlich junge Männer sind) auseinandersetzen. Ich habe zu letzterem sogar meine Diplomarbeit geschrieben und sehe da jetzt nicht wirklich eine Vernachlässigung des Themas.

          Im Gegensatz zu unseren letzten Gesprächen ist dein Ton dieses Mal deutlich verbitterter, hasserfüllter und unsachlicher. Wie gesagt, hast du sicherlich deine Gründe, aber das ist keine Legitimation, dich auf dieser Blogliste auszukotzen. Projekte gegen Menschenrechtsverletzungen als widerlich und exkludierend zu bezeichnen wird der Sache nicht gerecht. Dies ist ein Empowermentblog hauptsächlich für Frauen und Queer, das heißt ganz klar interessenspezifisch, was Einfluss auf die Inhalte hat. Was nicht heißt, dass sich die Autor*innen im wahren Leben nur feministisch engagieren (ich habe z.B. einen größeren Teil meines Lebens damit verbracht, in Kommunikations- und Bildungsprojekten für junge Männer zu arbeiten). Bitte also keine Unterstellungen, die Interessen bestimmter Geschlechtergruppen würden vernachlässigt oder sogar ignoriert. Dies ist die zweite Verwarnung, was deinen Tonfall angeht – wenn du frustriert bist, dann diskutier mit mir, aber bitte lass deine schlechte Laune nicht hier aus (ein weiterer Kommentar in diesem Ton wird nicht freigeschalten). Wenn du der Meinung bist, dass du die Gruppe unterstützen möchtest, die am meisten Gewalt erfährt, dann steht dir das frei und ich würde dich sogar dazu ermutigen. Ich unterstütze die Gruppe, mit der ich mich besser identifizieren kann (weil ich selbst auch schon Gewalterfahrungen gemacht habe) und sehe keinen einzigen validen Grund, einen Bedarf zu ignorieren, nur weil er zahlenmäßig geringer sein mag.

        • Doro sagt:

          Triggerwarnung. Deinen 2. Kommentar habe ich nicht freigeschalten, weil du die Grenzen meines humanistischen Verständnisses verletzt. Trotzdem antworte ich dir, weil ich nicht ganz fassen kann, was du da von dir gibst. Offenbar ist dir der Unterschied zw. Statististischer Quantität im Gegensatz zu Schwere von Gewalt nicht ganz klar. Wenn du Verbrennungen oder Totprügeln von 11-jährigen Mädchen bei Heiratsverweigerung (kein Einzelfall, z.B. in Indien oder dem Sudan), Infibulation, Massenvergewaltigungen in Kriegsgebieten mit Abtrennen von sekundären Geschlechtsmerkmalen und Ähnliches als “eingerissenen Fingernagel” bezeichnest, dann sehe ich darin keine sachliche Haltung mehr. Außerdem vermischst du mein Engagement für eine gewaltlose Haltung gegenüber Frauen mit einer Geringwichtung von Gewalt an Männern. Die Bezeichnung “Nur ein Mann” empfinde ich als extrem abwertend und kann auch keinen Grund erkennen, warum eine Mahnwache für diese Opfer weniger wichtig sein sollten als Mahnwachen für andere Gewaltopfer. Deine Unterstellungen, ich würde da einen Unterschied machen, entbehren jeder Grundlage (warum, das habe ich schon ausführlich in den Antworten davor dargelegt). Ich halte alle Menschen für gleich wichtig – wie willst du denn wissen, ob ich mich nicht auch für Männer engagiere? Kennst du mein Leben oder die Mahnwachen, auf denen ich schon war? Ich verblogge das nur nicht hier, weil dieser Blog thematisch eingegrenzt ist. Offensichtlich hast du eine vorgefertigte Meinung, die sich durch nichts ändern lässt. Nur weil es Gewalt gegen Männer gibt, werde ich bei Gewalt gegen Frauen oder Queer nicht schweigen bzw. sehe da auch gar keinen Grund für. Wenn du dich über Menschenrechtsverletzungen an Menschen allen Geschlechts informieren möchtest, empfehle ich wie gesagt die Seiten von Human Rights Watch und Amnesty International, die ich auch sehr intensiv lese. Trotzdem ist meine Position ganz klar: Solange alle Gruppen Interessenvertretung bekommen (und das ist der Fall), ist es ganz egal, gegen welche Menschenrechtsverletzungen man kämpft, hauptsache man setzt sich überhaupt ein. Jede Menschenrechtsverletzung stellt einen Handlungsbedarf dar. Jede. Ein Leid gegen das andere aufzuwiegen ist menschenrechtlich nicht möglich und ich rate dringend von dem Versuch ab, mit solch ernsten Sachen supression olympics zu spielen. Letzten Endes haben Gewalttaten sowohl gegen Männer als auch gegen Frauen oft ähnliche Gründe (beide korrelieren in großen wissenschaftl. Untersuchungen, z.B. vom KFN http://www.kfn.de/home.htm hoch mit der Internalisierung von traditionellen Männlichkeitsmustern, die Vergeltungsansprüche, Statusgewinn über körperliche Gewalt und Züchtigungen von bzw. Besitzansprüche gegen Frauen beinhalten – sind diese Normen stark präsent, steigt die Anzahl der Gewalttaten von Männern gegeneinander, gegen Frauen und gegen Homosexuelle). Anstatt hier zu streiten, wer denn schlechter dran ist (im Individualfall ist die Statistik den betroffenen Personen nämlich egal), sollten wir uns also lieber darauf konzentrieren, solche kontraproduktiven Normen zu widerlegen und zu ihrem Abbau beizutragen. Menschliches Leid dabei zu relativieren ist nicht hilfreich.

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