Lesen: Wissenschaftlicher Kommentar zur Sexismus-Debatte

Seit gestern macht dieser lesenswerte wissenschaftliche Kommentar (pdf-Abruf) von Prof. Dr. Gerd Bohner , Dipl.-Psych. Charlotte Diehl und Dipl.-Psych. Jonas Rees, alle tätig am FB Psychologie der Universität Bielefeld u.a. via Twitter die Runde. Sehr aufschlussreich. Solltet ihr gelesen haben, jedenfalls empfehle ich euch dies. Der Kommentar unterfüttert nämlich die #Aufschrei-Diskussion um wissenschaftlich belegte Daten und widerlegt damit die verschiedentlich geäußerte Behauptung, diese Debatte sei doch an der Realität vorbei oder gar hysterisch.

In ihrem Kommentar zeigen die Verfassenden anhand verschiedener klar benannter Studien auf, dass tatsächlich Frauen in überwiegendem Maße von sexueller Belästigung betroffen sind, und dass hierbei nachweislich Männer in der Großzahl der Fälle als Täter auftreten (S.1f.). Sie führen Studien an,. welche die Diskrepanz zwischen der theoretischen Bereitschaft, sich bei Übergriffen zur Wehr zu setzen, und der tatsächlichen Abwehrkapazität im Falle eines echten Übergriffs belegen: “Diese Studien zeigen also, dass Personen in der Regel unterschätzen, wie schockierend die reale Belästigungssituation für Opfer ist, und wieviel Überwindung es kostet, sich aktiv zur Wehr zu setzen.” (S.2 der Stellungnahme). Weiterhin äußern sie sich u.a. auch zur fälschlichen Behauptung, Frauen würden im Sinne einer Männerbedrohung Schuldvorwürfe erfinden(S.3).
Im Kommentar wird ebenfalls belegt, dass Männer keineswegs nicht einschätzen können, ob sie sich angemessen oder sexistisch verhalten: “Vielmehr stimmen Männer und Frauen weitestgehend überein, wenn es um die (Un-)Angemessenheit bestimmter Verhaltensweisen geht. Männer, die sich trotzdem unangemessen verhalten, tun dies aus Rücksichtslosigkeit oder Feindseligkeit – in jedem Fall aber tun sie es in aller Regel wissentlich” (S.4).

Der Kommentar ist ein auch für Fachfremde gut lesbarer Kurzeinstieg in wissenschaftsseitige Erkenntnisse zum Thema; durch die Quellnachweise im Anhang ist der Text auch für die vertieftere Auseinandersetzung mit Fragen zum Themenbereich geschlechtsbezogene Benachteiligungen eine gute Ausgangsbasis.

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