Male Gaze in practice. Heute: Spon

Es begab sich, dass ich letztes Wochenende bei einem Workshop auf einer Konferenz mitwirkte. Der ging um gewaltfreie Kommunikation und es hatten sich einige Interessent*innen zu ihm eingefunden. Also, eigentlich trug ich reichlich wenig zu diesem Workshop bei.

Von mir kam nur ein dreiminütiger Motivationsvortrag nach der Einführung, in dem ich  berichtete, warum ich die Beschäftigung mit dem Thema wirklich hilfreich finde. Und dann habe ich später noch was mit vorgelesen, zwecks verteilter Rollen, und mich durch Notizen machen und aufräumen nützlich gemacht.

Die restlichen zweieinhalb Stunden intensiven Workshops wurden von der großartigen @spiel_trieb ganz wunderbar gemeistert. Als wir den Workshop angemeldet hatten, war klar, dass sie die Kompetenz mitbringen würde. Meine Aufgabe war es, Beistand zu leisten und einzugreifen, falls dominantes Redeverhalten durch Teilnehmer*innen auftreten sollte.

Nun war es auch so, dass während einer längeren Zeit ein Reporter von Spiegel Online zu Gast war. Der hatte sich auch als solcher vorgestellt und war mit ner Pause wohl ne gute Stunde da. Als dann sein Bericht über die Flauschcon erschien, war ich überrascht, dass da fast nen ganzer Absatz zu mir stand aber genau gar nichts zu ihr, die sie doch den Workshop gerissen hatte (und die jetzt beileibe auch nicht unauffällig rumläuft).

Dieses Lehrstück von struktureller Diskriminierung muss ich einfach dokumentieren. Zum einen, weil die Thematisierung wichtig ist. Und mir zum anderen das Schmücken mit fremden Federn nicht liegt. Denn ich find’s ne Frechheit, dass sie einfach mal nicht erwähnt wird. Dass ihr Einsatz gerade von jemanden nicht erfasst wurde, der sich auf die Beobachtung von Sachverhalten spezialisiert hat, spricht Bände.

Mag sein, dass es nur ein kleiner Kunstgriff sein sollte, um den Eindruck unterzubringen. Natürlich könnte ich jetzt auch ne Richtigstellung verlangen, aber der Artikel ist ja nu auch schon ein paar Tage alt und das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wieder einmal einer jungen engagierten Frau der Eindruck vermittelt wurde, dass sie nicht ernst genommen wird. Ein weiterer kleiner Tropfen in der Wassertropfenfolter der strukturellen Diskriminierung.

Und die könnt ihr ohne mich machen, ich hab die Nase voll davon!

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