Meine Sprache ist mächtiger als das Schwert

Sprache ist schon eine spannende Angelegenheit. Wir Menschen benutzen sie den Großteil der Zeit ganz selbstverständlich, ganz unreflektiert, ganz erwartungsgemäß.

Dabei ist sie doch so entscheidend für unser Denken und Handeln: Begriffe und Kategorien, in denen wir denken gelernt haben, werden von ihr allgemein verständlich transportiert. Somit prägt und trägt Sprache unsere soziale Realität – und somit auch die alltäglichen Ungerechtigkeiten – weiter. Wohlgemerkt, für die meisten und den Großteil der Zeit unbewusst. Doch Sprache ist auch Wandlungen unterworfen, wird sie doch vom Zeitgeist eben so geprägt wie sie den Zeitgeist beeinflusst.

Deshalb setze ich meine Sprache, genauer gesagt gegenderte Sprache, bewusst als Mittel gegen Ungerechtigkeit ein. Natürlich nicht gegen die Ungerechtigkeit, sondern gegen eben jene, vielleicht öfters mal gar nicht absichtlich böse gemeinten, kleinen Details, die zumeist Frauen* einfach nicht erwähnen.

Unsere Sprache schließt aus. Ich glaube nicht an die Mär vom generischen Maskulinum und möchte seine Verfechter*innen auffordern mir mal zu erklären, warum sie sich den ausgeschlossen fühlen, wenn nur die weibliche Form benutzt wird? Selbstverständlich tut das weh, wenn mensch mal nicht immer als erstes gemeint, immer als der Standard betrachtet wird.

Denn dies ist die Macht von gegenderter Sprache. Sie tut immer wieder darauf hin Weisen, wie normale Sprache Leute einfach weg lässt, wie bei den Politikern immer eine Menge alter fetter weißer Männer vor unseren geistigen Augen erscheint während bei den Politiker*innen schon mal klar ist, dass nicht nur eben jene gemeint sind.

Viele empfinden gegenderte Sprache in ihren vielen Formen als zu umständlich, als nicht ihrer gelernten sprachlichen Ästhetik entsprechend und genau darin liegt ihre Wirkmächtigkeit. In dem Moment, in dem sie nicht mehr auffällt, zur Alltäglichkeit verkommen ist, werden wir ein ganzes Stück weiter gekommen sein.

Sprache ist nicht alles, die Symbole unseres Lebens werden noch von vielen anderen Faktoren geprägt. Aber sie ist ein guter Hebel um an einer lebenswerteren Gesellschaft für alle zu  arbeiten. Denn bei der Überwindung der aktuellen Rollenbilder gewinnen alle, aber davon ein andern Mal mehr.

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4 Antworten auf Meine Sprache ist mächtiger als das Schwert

  1. F_A sagt:

    Der Begriff “generisches Maskulinum” impliziert schon, daß es sich dabei um den männlichen Begriff handelt, nicht den neutralen. Ich sehe die Begriffe aber als neutral, denn um sie zu verweiblichen, muß man etwas anhängen. Nicht etwa die Endung von “-a” auf “-us” ändern, sondern nur etwas anhängen, was allein für mich schon künstlich und gezwungen wirkt. Deshalb sträube ich mich auch dagegen als Studentin, Bürgerin, Menschin bezeichnet zu werden. Und vor allem bezeichne ich mich nicht selbst so. (Als Student eh nicht, aber es nunmal das populärste Beispiel in derartigen Debatten.)

    Ich nehme an, das in dem verlinkten Artikel beschriebene Experminent wurde mit Teilnehmern jeden Alters duchgeführt. Interessant wäre das Versuchsergebnis aufgeschlüsselt nach Alter. Denn … Sprache wandelt sich.

    Es gibt Bereiche, in denen es Sinn macht, das Geschlecht zu betonen. Da liefert unsere schöne Sprache aber schon seit vielen vielen Generationen Begriffe wie “Mutter” und “Vater”. “Elterin” konnte sich offensichtlich nie durchsetzen.

    • F_A sagt:

      Äh … von “-us” auf “-a” ändern selbstverständlich. Sorry, hab die Antwort zwischen Tür und Angel runtergetippt und eh neben der Spur heute.

    • acid sagt:

      Hmm, aber ist das nicht genau das, was ich mit der Gewohnheit meinte? Natürlich wirkt es ungewohnt und ist es länger, ich finde aber, dass sich der Trade-Off lohnt.

  2. Pingback: Menschlichkeit mit Golddeckung « Dialog wird uns alle retten

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