Arbeitsauftrag

Der Gendersquad verfolgt prinzipiell einen gender-dekonstruktivistischen Ansatz, d.h. er lehnt eine binäre Einteilung in Männer und Frauen mit einhergehenden pauschalen Zuschreibungen (Gender) ab. Da Gender sich sowohl auf die Geschlechtsidentität als auch die Geschlechterrolle beziehen kann, möchten wir an dieser Stelle noch einmal eine Differenzierung hinsichtlich unseres beschlossenen Arbeitsauftrages vornehmen.

Das Konstrukt der Gender Identity (psychische/seelische Geschlechtsidentität) wird durch den Gendersquad zwar kontrovers diskutiert , jedoch nicht aktiv bearbeitet, da es Teil aktuell existierender, individueller Identitätsentwürfe ist. Obwohl wir es für wahrscheinlich halten, dass Gender Identity zumindest in ihren konkreten Ausprägungsformen zum Teil auch Folge kulturell geformter Geschlechterrollen ist und sich erst über diese definiert, steht es uns nicht zu, Menschen Teile ihrer Identität abzusprechen. Es gehört zu der von uns verstandenen Freiheit des Individuums, selbst entscheiden zu können, ob bzw. welchem Geschlechterentwurf es sich wann und wie stark seelisch zuordnen möchte. Wofür wir uns jedoch einsetzten wollen, ist die uneingeschränkte gesellschaftliche Akzeptanz dieser Entscheidung, unabhängig vom biologischen Geschlecht des Individuums.

Das Recht eines jeden Menschen auf eine persönliche (vom biologischen Geschlecht unabhängige, ggf. auch flexible und kontextabhängige) Gender Identity wird damit vom Gendersquad anerkannt. Gleichzeitig werden daraus abgeleitete Zuschreibungen oder Erwartungshaltungen (Gender Roles) abgelehnt, da die Gender Identity nichts über die individuellen Persönlichkeitsmerkmale, Verhaltenspräferenzen oder Fähigkeiten eines Individuums aussagen kann.

Der Fokus des Gendersquads liegt daher primär auf der Dekonstruktion bestehender Geschlechterrollen/Gender Roles, da diese der Vielfalt menschlicher Persönlichkeiten nicht gerecht werden können und damit die freie Entwicklung des einzelnen Individuums einschränken.

 

Unsere Arbeitsziele sind:

  • Dekonstruktion von Gender Roles ( = geschlechtsspezifischen Rollenbildern innerhalb der Gesellschaft) – dabei soll nicht notwendigerweise das Rollenverhalten selbst, sondern nur seine zwingende Verknüpfung mit einem bestimmten biologischen oder psychischen Geschlecht dekonstruiert werden
  • Einbezug einer intersektionalen Sichtweise in die Genderdebatte
  • Dekonstruktion einer binären Geschlechtereinteilung
  • Abbau von Diskriminierung aufgrund biologischer Geschlechtsmerkmale, selbstgewählter Geschlechtsidentität oder als geschlechtsspezifisch wahrgenommenen Rollenverhaltens (z.B. als “feminin” assoziiertes Verhalten)
  • soziale und rechtliche Stärkung individueller Geschlechterentwürfe und -identitäten in ihrer ganzen Vielfalt
  • Abbau geschlechtsspezifischer Stereotype und der Abgrenzung der Geschlechter voneinander, Stärkung eines geschlechterübergreifenden Fokus auf das Individuum selbst

 

Hinweis I: Im Rahmen der Bearbeitung dieser Aufgabenfelder kann der Fall eintreten, dass bereits bestehende Prägungen und Sozialisationsmuster innerhalb der Gesellschaft nicht ignoriert werden können. Ein Beispiel dafür wäre die Ableitung spezifischer Handlungsaufträge für Gruppen, die eine bestimmte Sozialisation erfahren haben und daher auf speziell auf diese Prägung angesprochen werden müssen. Der Squad ist sich bewußt, dass er sich hier in einem Spannungsfeld befindet, indem möglicherweise rekonstruierende Maßnahmen zur Dekonstruktion von bereits bestehenden Prägungen zur Debatte stehen. Der Squad wird dazu dezidiert Stellung nehmen und seine Position zur öffentlichen Diskussion stellen.

Hinweis II: Uns ist bewußt, dass die mangelnde Geschlechtervielfalt nur eines von vielen gleich dringenden Diversity-Problemen ist, mit denen sich die Piratenpartei beschäftigen muss. Auch wenn wir uns hier dezidiert mit Genderthemen beschäftigen (vorrangig aus Kapazitätsgründen), bedeutet das nicht, dass uns die mangelnde Vielfalt in anderen Bereichen nicht trifft. Wir unterstützen und freuen uns deshalb über alle innerparteilichen Bemühungen, sich dieses Problems anzunehmen (z.B. durch den Squad für Integration und Partizipation).