Problemfeld 3

 

Im Mangel an weiblichen Kandidierenden kumulieren alle genannten Probleme, weil ein Mandat/Amt in noch stärkerer Weise als männlich verortet wird (Stichwort Führungskompetenz) und der Wettbewerb härter ist. Die weibliche Unterrepräsentation liegt in meinen Augen besonders stark an folgenden Ursachen, die alle schon erwähnt wurden und daher nicht noch einmal detailliert ausgeführt werden:

  • so gut wie keine erfolgreichen und vielfältigen weiblichen Positiv-Vorbilder → empirisch nachgewiesene verringerter Selbstwirksamkeits-/Erfolgserwartung
  • Sozialisation, die tendenziell wichtige Selektionskompetenzen (wie Durchsetzen, Raum einnehmen, von sich überzeugt sein) vernachlässigt → weniger Trainingsmöglichkeiten, weniger Chancen, sich im Wettbewerb zu behaupten und aggressiver Kommunikation/Shitstormkultur standzuhalten
  • Stereotype Wahrnehmung durch die Umwelt → Unterschätzung tatsächlich vorhandener Kompetenzen und Sanktion durch Gruppe bei rollenunkonformen („männlich“ assoziiertem und damit eigentlich systembezogen vorteilhaftem) Verhalten
  • Stereotypenbedrohung und sozialisationsbedingter Perfektionismus in Öffentlichkeits- und Bewertungssituationen wie z.B. „Kandidatengrillen“ → erhöhter selbstgemachter Druck mit Rückzug in wertungsfreie und weniger feindliche Räume (auch „der Hintergrund“ genannt, geht mit Unsichtbarkeitmachung und Fremdaneignung von Inhalten einher)
  • bestimmte Anreizmotiv für politische Karierre in Form von Macht/ Aufmerksamkeitsmittelpunkt/Erfolg haben als Statussymbole für Frauen in unserer Kultur eher Nachteile (problematisch für männlich sozialisierte Beziehungspartner/„Down-Dating“-Phänomen, ggf. Denunziation/Entsympathisierung in öff. Wahrnehmung bei rollenunkonformen Verhaltensweisen sowie keinerlei soziale Belohnung durch Umwelt nach Statussteigerung im Gegensatz zu Männern) bzw. werden innerhalb der weibl. Sozialisation auch nicht per se als erstrebenswerte Bestandteile der eigenen Geschlechtsidentität vermittelt, so dass sie rein soziokulturell keine valide Mit-Entschädigung für den immensen Zeit- und Energieaufwand einer politischen Karierre bieten können
  • bei Frauen aufgrund Gesellschaftsstruktur häufiger die Entscheidung „Familie oder Arbeit“ als bei Männern, gilt besonders für alleinerziehende Mütter

 

Hier zur Ergänzung das Ergebnis der Kegelklubumfrage (Teilnehmeranzahl 1200 Pirat*innen):

 

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