Warum es Feminismus heißt

Eine der Kritiken, die mensch immer mal wieder zu lesen bekommt, geht gegen den bloßen Begriff des Feminismus.

Oft hört mensch dann, das dieses mit der Gleichberechtigung ja ne tolle Sache wäre, aber es würde dann doch stören, warum der Name dann nur die Sache der Frauen* beinhalten würde und nicht ein allgemeineren Namen.

“Nennt das doch mal anders!”

Gerne werden dann die Forderungen an die Feministinnen gestellt, sich mal einen schöneren Namen auszudenken, oder Begriffe wie Equalismus geschaffen (Der ist fast wie eine Feminismus-Art, verkauft sich nur besser bei Leuten, die keine Ahnung vom Thema haben! \o/ ). Wie ihr jetzt vielleicht schon mit bekommen habt, halte ich nicht viel von solcherlei Dingen.

Zum einen finde ich es echt frech, wenn mensch zu einer Bewegung, die in gut anderthalb Jahrhunderten wirklich einiges erreicht hat, sagt, dass sie doch bitte mal den Namen ändern möchte, damit mensch sich in eben jener dann aufgenommen fühlen kann. Leuchtet mir ja ein, wenn das von Trans- oder intersexuellen Menschen kommt. Größtenteils sind das in meiner Wahrnehmung aber Männer* und klingt für mich immer nach “Sind ja echt tolle Errungenschaften, aber jetzt wollen wir auch da selbstverständlich mit dazugehören!”

Zum anderen verkennen da glaube viele den fundamentalen Unterschied in unserer Gesellschaft im Umgang mit den zwei anerkannten biologischen Geschlechtern. Denn die Menschen, die dem einem zugeordnet werden, werden als Default wahrgenommen und die des anderen ständig abgewertet und als verfügbare Objekte betrachtet. Und diejenigen Menschen, die als Default wahrgenommen werden sind nun mal Männer* und diejenigen, die immer untergebuttert und/oder sexualisiert werden, diejenigen, die als Frauen* wahr genommen werden.

Der Kasus Knacktus

Und damit wären wir auch schon beim entscheidenden Knackpunkt, warum ich es Feminismus nenne. Es geht ja gerade darum, die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Die Frauen* zu stärken und gleichwertig zu machen ist dabei ein entscheidener und wichtiger Punkt. Wenn sich dieses irgendwann mal geändert haben sollte, können wir uns gerne drüber unterhalten, ob wir den Namen bzw. die Bewegung noch brauchen. Ich befürchte allerdings, dass ich und meine Zeitgenoss*innen dann schon verschimmelt sein werden. Bis es so weit ist, erscheint mir eine Kritik an dem Namen zwangsläufig als Angriff gegen die Sache der Bewegung, welchem entschieden begegnet werden muss.

Ich weiß, dass es sich auch als Mann* scheiße anfühlen kann, im Patriarchat zu leben. Ist dieses doch eine meiner Hauptmotivationen für meine feministische Arbeit[1]. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass ich mich relativ einfach sozialem Druck entziehen kann. Wenn ich nicht gerade krass den üblichen Rollenbild widerspreche, werde ich auch nicht von fremden Menschen belästigt. Ich würde mein Leben jetzt nicht als “vom Patriarchat gepudert werden” bezeichnen, aber all jenes steht in einem krassen Kontrast zu ständigen Belästigungen, denen mensch sich nur extrem schwer entziehen kann oder ständig nicht für voll genommen werden oder dass Arbeit selbstverständlich zu leisten ist und, wenn überhaupt bezahlt, dann zumindest schlechter bezahlt wird oder sehr viele Sachen mehr die diesen Artikel noch länger machen würden als er eh schon ist.

Vom diskriminieren bei der Diskriminierungsbekämpfung

Und wenn ich dann Leute von einer “Diskriminierung aller Geschlechter” reden höre, dann wird mir doch anders. Nicht nur bei der Formulierung an sich, die ist ja schon abenteuerlich genug. Von was sollen denn da bitte alle abgewertet werden? Sondern auch bei der Aneignung der Diskriminierung von Seiten des Verkündenden. Mal ehrlich, nur weil es sich für mich als weißen Mann* scheiße anfühlt in dieser unmenschlichen Gesellschaft zu leben, heißt das lange noch nicht, dass ich auch diskriminiert werde!

Wenn mensch allerdings das eigene persönliche Missbehagen mit der ständigen herabwürdigen Behandlung von anderer Menschen, die zufällig nicht derartig privilegiert sind, gleichsetze, dann tut mensch eben jene Behandlung implizit entkräften und als gar nicht so schlimm darstellen. Und genau dieses nichtig machen von Diskriminierung ist einer der wichtigsten Faktoren in unserer (unbewussten) Unterstützung und Reproduktion von Diskriminierung im Alltag.

Ja, ich tu gerade krass über einen groben Kamm scheren, denn Diskriminierung über die wirtschaftliche Situation meiner Herkunft, Bildungsaspiration und Rassismus spielen auch gewichtige Rollen, aber zu dem spannenden Thema Intersektionalität schreibe ich wann anders. Hier bleiben wir erst einmal bei dem reinen Genderding an sich. Das mit weiß sein schrieb ich eben nur, um die Ironie noch mal hervorzuheben, wenn Maximalprivilegierte sich diskriminiert fühlen.

Um es noch mal deutlich zu sagen: Das ist kein Wettbewerb von Misshandlungen, die uns durch unsere Mitmenschen zugefügt werden. Ganz abgesehen davon, dass mensch Schmerz nicht vergleichen kann, geht es hier darum, dass es um verschiedene Qualitäten geht. Das spielt auch nicht in unterschiedlichen Ligen, das ist verdammt noch eins nicht der selbe Sport!  

Deshalb heißt es Feminismus!

Und es wichtig, dass es auch weiterhin so heißt, denn der Kampf für die Gleichwertigkeit aller Menschen ist noch lange nicht erfolgreich ausgefochten! Und deshalb werde ich es auch so nennen, wenn ich mich für die dringend nötige Emanzipation der Männer* von ihren Rollenbildern einsetze. Aber davon mehr in einem anderen Artikel.

 

 

[1]: es gibt einige, die meinen, dass ich als Mann* keinen Feminismus betreiben könnte. Ich finde diese Vorstellung sehr befremdlich, sehe ich doch gerade die Emanzipation der Männer* von ihren vorherrschenden Rollenbildern als eine unser wichtigsten Aufgaben. Allerdings bin einer Diskussion gegenüber durchaus aufgeschlossen :)

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8 Antworten auf Warum es Feminismus heißt

  1. Marishiki sagt:

    »Begriffe wie Equalismus geschaffen (Der ist fast wie eine Feminismus-Art, verkauft sich nur besser bei Leuten, die keine Ahnung vom Thema haben! \o/ ).«
    meine neue lieblingsdefinition von equalismus, glaub ich.

    »Es geht ja gerade darum, die Unterdrückten Menschen, die Frauen* aus dieser Situation zu befreien.«
    das ist mir zwar auch nicht von alleine aufgefallen, aber: ganz schön viel passivität hier drin. die frauen* müssen nicht befreit werden – unterstützung ja, aber die haben das alleine angefangen und auf die beine gestellt und treiben es auch immer noch ganz gut voran. nicht alleine, aber halt mit männern* als unterstützern, nicht männern* als den aktiven. (ich unterstelle dir nicht, dass du das so gemeint hast, es ist nur diese sprachliche ungenauigkeit. (die mir wie gesagt auch nicht von alleine auffiel.))

    »dann tut mensch eben jene Behandlung implizit entkräften und als gar nicht so schlimm darstellen. (…) Ja, ich tu gerade krass über einen groben Kamm scheren, «
    (das kommentiere ich jetzt nur, weil mein sprachgefühl darunter leidet: bitte nicht “ich tue etwas tun”. bitte bitte. “dann entkräftet mensch (…) und stellt sie als gar nicht so schlimm dar (…) ja, ich schere gerade krass über einen groben kamm” und so halt.)

    »Um es noch mal deutlich zu sagen: Das ist kein Wettbewerb von Misshandlungen, die uns durch unsere Mitmenschen zugefügt werden.«
    ja, genau, nämlich. geradezu aberwitzig, wie sich das “höher, schneller, weiter, mehr”, das sich durch unser aller leben zieht, sogar beim thema diskriminierung, leid, whatever, drin ist.

    • acid sagt:

      Danke für deinen Kommentar! Ich habe dann den Text mal aktualisiert. Ich weiß, dass das mit dem tun eine Unsitte ist, aber ich lass das jetzt so ;)

  2. endolex sagt:

    Ja und nochmals ja! Habe vor ca. 3 Monaten noch genau zu ‘denen’ gehört, die sich am Begriff Feminismus gestoßen haben, mittlerweile sehe ich es wie du. Ich finde jetzt auch Leute mit feministischen Ansichten nicht problematisch, die den Begriff ungern verwenden – solange sie eben kein Begriffsdistanzierungsfass aufmachen und damit Zeit und Nerven binden, statt das eigentliche Thema voranzubringen. Labeldiskussionen gehe ich also am liebsten aus dem Weg, wenn die Inhalte im wesentlichen übereinstimmen.

  3. Solly sagt:

    FeminismA sollte es heißen!

    DER (SekundärSklaverei-) Sexismus

    DIE FeminismA

    Oder?

  4. sofias mint. sagt:

    Ich befürchte allerdings, dass ich und meine Zeitgenoss*innen dann schon verschimmelt sein werden.

    dieses mindset find ich ziemlich nerfig und alles andere als hilfreich. erstmal ist es ne prima strategie um sustainability-fragen auszuweichen. ich meine sicher werden leute in der zukunft die zukünftigen probleme besser beurteilen können, aber ‘lösungen’ zu präsentieren von denen von anfang an nicht klar ist wie ma in zukunft damit zurechtkommt. (“positive diskriminierung” ist denk ich ein gutes beispiel)
    abgesehen davon ist es denkich einfach grundlos pessimistisch. das junge leute am beginn des bio- und neurozeitalters sich die selbe lebenserwaftung wie ihren großeltern zuschreiben ist unrealistich und, naja, traurig.

    anyway, für das was ich will hab ich noch kein besseres wort als antisexismus gefunden und ich bin bin ganz glücklich damit. vielleicht hätte ich ohne EMMA-/Alice-Schwarzer-lektüre mehr identifikation für den begriff “feminismus” aufbringen.

  5. soulless sagt:

    Wenn es nur ein Label ist und das keiner Dikussion würdig dann sind auch Tussi, N****r, K*n*cke nur Label und nichts davon Diskriminierung.
    So, das als Einstieg um meine Meinung zum Ausdruck zu bringen das Worte und Bezeichnungen sehr wohl wichtig sind.

    Zum Thema Feminismus:
    Feminismus hat eine lange Geschichte, viel erreicht und war nötig. Selbst der radikale Feminismus wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne (aufgewachsen in Frauenhäusern und auf Seminaren unter Feministinnen für die Alice Schwarzer ein Vorbild war). Wenn einer Gruppe Menschen aufgrund ihrer zufälligen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe elementare Rechte abgesprochen werden hat diese Gruppe das absolute Recht, ja sogar die Pflicht, sich auf radikale Weise dagegen zu wehren. Und man kann von Alice Schwarzer halten was man will, diese Generation hat einiges erreicht das notwendig war. Aber sie hat auch erreicht das Feminismus für viele Geschlechterkampf bedeutet. Und durch das Wort (Femini = fraulich, ismus = Ideologie / Glaubenssystem) wird dies zementiert.
    Wenn es aber ein Geschlechterkampf ist dann kann ich als Mann nur auf der anderen Seite stehen weil ich fühle mich auch nicht als Frau in einem Männerkörper, ich fühle mich als Mann in einem Männerkörper und damit fühle ich mich sehr wohl (nicht nur weil es das leichteste Level im Spiel ist, bin ich doch auch noch weiss, sondern einfach weil ich mich wohl fühle so wie ich bin).

    Aber auch ich finde das es in dieser Gesellschaft immer noch eine Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts, der Rasse und sonstiger Merkmale gibt gegen die es vorzugehen gilt. Dies betrifft aber heute nicht mehr die rechtliche Lage sondern die gesellschaftlichen Rollenmodelle. Und im Bereich Geschlechter betrifft dies nicht nur die Frauen sondern genausogut die Männer.
    Eine Frau, die jedes Wochenende einen anderen abschleppt ist eine Schlampe, ein Mann der so etwas macht ist ein Held.
    Eine Frau, die nach dem unsauberen Ende einer Beziehung flennt und traurig ist wird getröstet, ein Mann muss darüber hinwegkommen und erhält wenig Verständnis wenn er heult.
    Eine Frau, die auf dem Bau arbeitet muss sich dumme Sprüche anhören, ein Mann der im Kindergarten arbeitet wird nicht ernst genommen.

    Das alles sind gesellschaftliche Probleme durch fixierte Rollenmodelle die in den Köpfen stecken. Diese Probleme lassen sich aber nicht einfach nur dadurch lösen das man die Situation der Frauen verbessert sondern nur dadurch das man versucht diese Fixierung auf diese Rollenmodelle zu lösen. Und das sollte ein gemeinsamer Kampf beider Geschlechter sein die dieses Problem sehen und es lösen wollen. Das erfordert Zeit und langsames, pragmatische und gezieltes Vorgehen und nicht Aktionismus oder einen Wettbewerb wer am lautesten auf seine misslichen Zustände aufmerksam macht.

    Für meinen Teil halte ich es für sehr notwendig diese Rollenmodelle zu ändern. Ich fände eine Gesellschaft schön in der es ok ist wenn eine Frau ihre Sexualität nach ihren Bedürfnissen auslebt ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen oder einen Stempel aufgedrückt zu bekommen. Gleiches gilt aber auch für den Mann. Ich fände eine Gesellschaft schön in der es ok ist Komplimente zu machen, auch wenn es manche als dummen Spruch auffassen, so lange ein “Nein, das passt mir nicht” akzeptiert wird (dumme Sprüche müssen auch andere Menschen sich ständig anhören aufgrund rein körperlicher Eigenheiten). Ich fände eine Gesellschaft schön in der ein Kindergärtner / Pfleger genauso als absolut normal angesehen wird wie eine Maurerin / Managerin. Ich fände eine Gesellschaft schön in der Menschen aufgrund ihrer Leistung eingestellt und bezahlt werden und nicht aufgrund ihres Geschlechts / Namens / Hautfarbe.

    Ich trage gerne dazu bei aber ich kann mir nicht das Label Feminist aufkleben weil Feminismus für mich Geschlechterkampf bedeutet, weil Feminismus schon per Definition der Kampf der Frau für ihre Sicht der Dinge ist und weil ich keine Frau bin und mich auch nicht danach sehne eine Frau zu sein. Das heisst jetzt aber nicht das ich ein Macho bin oder Angst vor meiner femininen Seite habe, ganz und gar nicht, ich kann heulen und verzweifelt sein weil die Liebe mich verletzt hat. Aber ich bin und bleibe trotz allem ein Mann.
    Letztlich finde ich es sehr Schade das es den Männern immer wieder sehr schwer gemacht wird an der Änderung dieser Rollenmodelle mitzuarbeiten nur weil man aus Tradition an dem Label Feminismus festhalten will. Traditionen sind nur Tradiitionen und können jederzeit durch neues ersetzt werden. Ein neues Label heisst auch nicht die Geschichte des Feminismus zu vergessen. Ganz im Gegenteil könnte es ein Zeichen für einen Wandel weg von dem Kampf für die Rechte der Frauen hin zu dem Kampf für die Gleichbehandlung aller bedeuten. Ein Zeichen für die Inklusion der Männer in diesem Kampf.

    tl;dr:
    Ich kann aufgrund der Wortbedeutung mit dem Begriff Feminismus gar nichts anfangen weil für mich damit automatisch der Kampf der Geschlechter verbunden ist. Ich bin ein Tier/Säugetier/Mensch/Europäer männlichen Geschlechts also müsste ich für den Maskulinismus stehen (im Wortsinn das gleiche wie Feminismus nur anderes Geschlecht: männliche Ideologie / Glaubenssystem). So bin ich aber nicht erzogen worden und so will ich nicht sein. Einen geschlechtsneutralen Begriff fände ich alleine schon als Zeichen der Inklusion und der gemeinsamen Arbeit an einer Änderung der Gesellschaft unabhängig vom Geschlecht ein wichtiges Zeichen.

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