Zur Quote

Kaum ein Thema brodelt so in meiner Timeline wie dieses. Und da dabei auch viel geschrieben wird, welches in meinen Augen uninformiert oder schlicht dumm erscheint, sehe ich mich gezwungen diesen Post zu verfassen.

Zum Problem

Wir sind die Kinder einer Gesellschaft die Menschen unterschiedlich bewertet. In ihr werden diese nach irgendwelchen Kriterien bevorzugt behandelt oder die ganze Zeit beigebracht, dass sie weniger Wert sind. Das ganze reiht sich perfekt in unser Weltbild ein, basiert doch unsere ganze “Zivilisation” auf Ausbeutung, ich schrieb da schon früher zu.

Aber genug der einleitenden Worte! Hier nochmal die wichtigsten Infos zusammen gefasst, auf dass wir alle auf einem Stand sind um in die Diskussion gehen zu können. Achja, noch eines vorne weg: Es könnte sein, dass ihr zu diesen glücklichen gehört, die das ganze nicht so direkt auf’s Butterbrot geschmiert bekommen. Falls dem so ist, dann denkt vielleicht noch mal kurz an diejenigen, die nicht so glücklich sind, bevor ihr euch selbst als Argument anführt, dass des Problem ja gar nicht so schlimm sei.

Das Patriarchat

quasi das Problem in einem Wort. Steht für die anhaltende jahrtausendelange Herrschaft der Männer* bzw. was als männlich definiert wurde. In den letzten 150 Jahren hatten wir in Europa & einigen anderen Orten zwar gute Fortschritte, aber von so ein paar Gesetzesänderungen gehen so Traditionen jetzt auch nicht weg.

Ich habe da mal ein schönes Comic drüber beigefügt. Weitere überdeutliche Beispiele Comic, der einige Aspekte des Patriarchats aufzeigtsind:
* die Abwertung der Arbeit, die traditionell Frauen* in die Schuhe geschoben wird,
* dass sie generell weniger Geld für die gleiche Arbeit bekommen,
* weiblich wahrgenommene Menschen ständig belästigt werden
* und sie dann auch noch fertig gemacht werden, wenn sie sich dagegen wehren wollen, dass die Monster, die unsere Gesellschaft züchtet, weiter die Leben anderen nachhaltig zerstören.

Es gibt viele verschiedene Mechanismen, die da zusammenwirken und Jahrzehnte der Forschung über jene. Damit das hier nicht den Rahmen sprengt habe ich mal exemplarisch einen heraus gepickt:

Die Objektivierung

bezeichnet das betrachten von Subjekten, also Menschen mit Gefühlen und Gedanken, als etwas anderes, nämlich Objekte. Typischerweise heben jene Menschen, die so über ihre Mitwesen denken, dann zufälligerweise kein Problem ihre imanenten Grundrechte zu missachten und ihnen selbst die undenklichsten Grausamkeiten anzugedeihen.

In unseren Breitengraden ist das verschachern von jungen Frauen aus der Mode gekommen, welches seiner Popularität in anderen keinen Abbruch tut. Hierzulande hat sich dann alles eher in  das Unterschwellige verlegt.  Die Sexualisierung von weiblichen Körpern ist allgegenwärtig.

Objektivierung ist auch ein sehr beliebtes Mittel zur allgemeinen Abwertung von Menschen. Auch Rassisten und Faschisten griffen und greifen gerne auf sie zurück, um ihre unmenschlichen Taten für sich selbst zu relativieren.

Soweit so klar?

Okay, nach diesem kleinen Exkurs hoffe ich, dass wir uns alle darüber einig sind, das diese systematische Unterdrückung von Menschen ein Problem für uns alle darstellt. Falls dem nicht so sein sollte brauchen wir glaube nicht weiter reden, ich schrieb da schon mal drüber. Und falls ihr obendrein auch noch Mitglied in unserer schönen Piratenpartei seid, möchte ich euch einmal bitten unser Grundsatzprogramm zu lesen und danach entweder eure Meinung zu ändern oder auszutreten, danke.

Lösungsansätze braucht das Land!

Freut mich, dass ihr noch dabei seid. Also, wie gehen wir gegen das Patriarchat an? Klar, drüber reden, reflektieren und auf Unterdrückung förderndes Verhalten hinweisen ist wichtig, hilft aber nicht etablierte und verflochtene Strukturen aufzubrechen.

Spätestens nachdem ich Bourdieu las, ist mir auch klar, dass ein ganz wichtiger Teil durch die politischen Rahmenbedingungen, die von den Menschen verinnerlicht werden, abhängt. Deshalb ist es ja auch so wichtig, die diversen Lebensformen und -gemeinschaften in allen Belangen gleichzustellen. Aber auch das hilft nicht zeitnah und dann gibt es da noch ein bewährtes Mittel, ihr erinnert euch vielleicht noch an die Überschrift: Die Quote. Und ich spreche hier von der Quote in Wirtschaft wie Partei gleichermaßen weil wir von einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen sprechen.

Was mich an der Quote stört…

Die Quote stammt aus einer anderen Zeit als noch ganz andere Schlachten ausgetragen werden mussten. Daran zeigt sich auch, dass sie nicht in geringsten die unterschiedlichen sexuellen Identitäten der einzelnen Individuen betrachten, die ja nicht zwingend mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmen muss. Und obendrein werden Intersexuelle auch noch ganz außen vor gelassen!

Außerdem widerstrebt es einige derjenigen, die durch sie bevorzugt werden. Da ich mit der darunter liegenden cavinistisch geprägten Leistungsgesellschaft eh gerne brechen würde, sehe ich das aber soger eher als Vorteil. Da liegt der meh eher noch darin, sich der Diskussion mit diesen zu stellen.

Des weiteren fühlt es sich so ein bisschen wie eine Sympthombehandlung an. Allerdings werden die staatlichen Vorgaben ja auch wieder verinnerlicht und gelebt…

und warum ich für sie eintrete.

Die kurze Antwort: Weil es das einzige effektive Instrument ist, welches uns zur Verfügung steht. Die lange Antwort:

Die Quote ist effektiv

Wenn mehr Menschen von einer Sorte auch in den wichtigen Positionen da sind, greifen Unterdrückungsmechanismen gerade in den unteren Hierachieebenen nicht mehr so gut. Sie sorgt effektiv dafür, dass Leute nicht mehr so einfach vergessen werden können, weil ihre Vertreter*innen mit in den Entscheidungsgremien sitzen.

Die Quote fördert Frauen* darin, aus ihren angelernten Schranken auszubrechen

Die Erfahrung zeigt, dass gerade die Frauen*, die motiviert werden mussten, für quotierte Plätze zu kandieren, nach ihrer Wahl ganz hervorragende Arbeit geleistet haben. Ich bin überzeugt davon, dass wir gerade die selbstkritisch und nachdenklich geprägten Leuten in exponierten Stellen haben wollen.

Die Quote ist notwendig

Das Patriarchat verschwindet nicht vom rum sitzen und “we shall overcome” singen. Wir sprechen hier von uralten Mechanismen die es aufzuzeigen und anzugehen gilt. Ich würde mich freuen, von einem besseren Instrument zu erfahren oder in einer Gesellschaft zu leben, in der sie nicht mehr notwendig ist. Bis es soweit ist, bin ich dafür das effektivste Instrument zu nutzen.

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9 Antworten auf Zur Quote

  1. Ursula Bub-Hielscher sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel zur Quote. Ich beobachte bei mir, dass ich mich kaum traue mich offensiv für die Quote einzusetzen. Ich komme aus der Frauenbewegung und habe diese nie als gegen “die Männer” sondern als für die Entwicklungschancen von Frauen begriffen. Die Zeit in der Frauen in Deutschland am Berufsleben und am politischen Leben im spürbarem Ausmaß aktiv teilhaben ist so kurz im Verhältnis zu der langen Zeit des Ausschlusses davon. Natürlich ist die Quote eine Krücke und es wäre viel schöner, wenn wir sie nicht brauchen würden. Was mich in unserer Partei stört: Quotenbefürworter werden sehr schnell als rückständig betrachtet. Ich möchte, dass es die jungen, klugen und engagierten Frauen bei den Piraten ein wenig leichter haben, und nicht ihre Kraft für das überhaupt einen Platz zu erobern verschwenden müssen, sondern mit ihren Inhalten Akzente setzen können! Es würde einer Partei wie den Piraten gut anstehen ohne solche albernen Kämpfe, einfach zu sehen was ist und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Also noch mal danke!

    • acid sagt:

      Ich glaube, dass Demokratie bedeutet, dass wir auch öfters ermüdende Diskussionen führen dürfen. Deshalb müssen wir auch die albernen Kämpfe ausfechten. Danke für dein Lob :)

  2. grübel sagt:

    Wäre nicht auch eine Quote denkbar die Trans*/Intersex mit berücksichtigt. Bzw. eine inverse Quote die maximal die Hälfte der verfügbaren Plätze für Menschen die sich männlich/hetero/weiß definieren vorsieht?

    • Francis sagt:

      diese Quote hab ich vorgeschlagen – siehe “flexible Mindestquote mit Option Geschlecht: Andere”. Du kannst für sie optieren

      – danke :)

    • acid sagt:

      Das Problem an jenen Quoten ist die schlechte Determinierung der einzelnen. Der Vorwurf, dass Leute sich als Queer definieren, um nen besseren Platz zu bekommen, ist da schon vorprogrammiert :/

  3. schwarzblond sagt:

    Danke auch von mir!
    Sehr gut argumentiert, wie schön, dass wir auch sachlich über Dinge reden können. ;)

    Nächste Woche wirds wohl ein Mumble zur Quote bzw. zu Quoten geben, I keep you posted!

  4. Milena sagt:

    Inverse Quote FTW!

    (und was den Queer-Vorwurf angeht: Selbst wenn Menschen das tatsächlich machen würden – was ich mir kaum vorstellen kann – mindert es trotzdem das Diskriminierungspotential des Queerseins.)

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